Wallstreet, Londoner City, Nato und Brüssel triumphieren: Schweiz hat mit ihrer Neutralität gebrochen

Zeit-Fragen vom 22.3.2022

mw. Die ganze Welt hat am 28. Februar mitbekommen, dass sich die Schweizer Regierung von der Neutralität verabschiedet hat. Das über Jahrhunderte aufgebaute Vertrauen ist mit einem Schlag zerbrochen. Um diesen schweren Schaden zu beheben, wird es grosse Anstrengungen und guten Willen brauchen. Die US-und GB-Medienkonzerne machen keinen Hehl daraus, dass es im Hintergrund um etwas ganz anderes geht: Wallstreet und Londoner City werden nichts dagegen haben, wenn der Schweizer Finanzplatz sich selber schwächt …

  • «The New York Times»: «Die Schweiz wird russische Vermögenswerte einfrieren, darunter auch die von Präsident Wladimir Putin, und damit ihre lange Tradition der Neutralität aufgegeben.»
  • Nachrichtenagentur Bloomberg: «Die Schweizer geben ihre historische Neutralität auf, um Russland-Sanktionen durchzusetzen.» Bloomberg bemerkt dazu: «Frühere Frustrationen mit der Schweiz rührten von ihrer Entscheidung her, Schweizer Banken nur die Eröffnung neuer Konten für von der EU sanktionierte Russen zu untersagen, nicht aber bestehende Konten einzufrieren.»
  • Agentur Reuters: «Deutliche Abkehr von der traditionellen Neutralität des Landes.»
  • «Financial Times» (GB): «Die Schweiz bricht mit ihrer traditionellen Neutralität und schliesst sich den EU-Sanktionen gegen Russland an.» 
  • «The Wallstreet Journal»: «Die Schweiz schliesst sich den EU-Sanktionen gegen russische Vermögen an.» Wallstreet freut sich, weil die Schweiz, eine «Drehscheibe für internationale Geschäfte und die Lagerung von Privatvermögen», alle Geschäfte mit Unternehmen, die auf der EU-Liste stehen, untersagt hat.
  • Last but not least der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell auf Twitter: «Ich begrüsse es von ganzem Herzen (wholeheartedly), dass die Schweiz die EU-Sanktionen gegen Putin und seine Unterstützer beim Einmarsch in die Ukraine übernimmt und deren Vermögen einfriert.» 

Neben dem Schweizer Finanzplatz geht es auch um die geeinte Front Europas (Schweiz inklusive) in der Nato (selbstverständlich unter US-Kommando):

  • News-Sender nbc vom 1. März: «Schweden und Schweiz vereint mit Europa gegen Russland – Deutschland bricht mit dem Pazifismus, um Verteidigung der Ukraine zu unterstützen». nbc zitiert den ehemaligen US-Botschafter in Russland, Michael McFaul, der sich über diese «Wiedergeburt eines neuen Europas» freut: «Es ist ein historischer Wandel. Ich denke, dass dies grosse Konsequenzen für die Zukunft Europas, für die Zukunft des transatlantischen Bündnisses und für die Zukunft der Nato haben wird – und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem all diese Dinge ins Wanken geraten sind.» 

Damit sind wir beim leicht abgewandelten Zitat des ersten Nato-Generalsekretärs, des Briten Ismail Hastings, angelangt: («to keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down»): Die Russen draussen, die Amerikaner oben behalten und ganz Europa (samt den bisher Neutralen) zu Boden bringen.

Quelle: Torcasso, David. «Ukraine-Krieg. Die Reaktionen auf den Sanktionsentscheid der Schweiz». Handelszeitung vom 1.3.2022, mit Links zu den Originalquellen; https://www.handelszeitung.ch/politik/die-reaktionen-auf-den-sanktionsentscheid-der-schweiz


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