«Voglio fare il Cittadino» – Ich will ein Bürger werden

mw./ts. Zeit-Fragen vom 17.9.2012

«Vergiss es nie, und rufe es auch deinen Freunden in Erinnerung: Die Gemeinde, in der man lebt, von Grund auf zu kennen, bedeutet gleichzeitig, das gesamte Gefüge unserer Demokratie zu verstehen.» Dieser Satz bringt auf den Punkt, welches Anliegen das Staatskundelehrmittel hat, das im Kanton Tessin unter dem Titel «Voglio fare il Cittadino», zu deutsch «Ich will ein Bürger werden», herausgegeben wurde. Der Satz zeigt, dass der Leser mit diesem Werk viel mehr als ein staatskundliches Lehrmittel an die Hand bekommt. Dieses kostbare Werk gibt eine Einführung in die Grundlagen der direkten Demokratie, die nicht nur den Verstand anspricht, sondern auch das Herz berührt. Es will den jungen Menschen das lebendige Gefüge der direkten Demokratie am Beispiel einer Tessiner Gemeinde bis in die feinsten Facetten vermitteln, so dass sie fähig werden, ihre Stellung als aktive Bürger in Gemeinde, Kanton und Bund auszufüllen. Und es will uns Schweizern, ob jung oder alt, in Erinnerung rufen, an welch einzigartiger Demokratie wir teilhaben dürfen: einer Demokratie, die allein dadurch lebt, dass die Bürger ihre politischen Rechte und Pflichten wahrnehmen und ihren Beitrag zu einem menschenwürdigen Zusammenleben leisten. Auch unseren Freunden in anderen Staaten wird «Voglio fare il Cittadino» den Zugang zum Verständnis der direkten Demokratie erleichtern. Denn in der Gemeinde, im kleinsten staatlichen Gemeinwesen, muss der Aufbau der direkten Demokratie beginnen.
Um diese wertvolle Errungenschaft zu erhalten, muss unser grösstes Anliegen sein, den Willen und die Fähigkeit zum Bürgersein bei unserer Jugend zu legen. Eros Ratti, ein Kenner der Tessiner Gemeinden, wie es kaum einen zweiten gibt, stellt sich dieser Aufgabe auf herrliche Art und Weise. Im Zwiegespräch mit dem 18jährigen «Cittadino», der den dringenden Wunsch hat, Bürger zu werden, nimmt er seine Aufbauarbeit als Staatskundelehrer mit grossem Verständnis für den jungen Menschen und mit einer guten Prise Humor in Angriff. Eine zutiefst berührende und köstliche Lektüre für jeden, der Italienisch liest – und ein Muss, dieses einzigartige Grundlagenwerk zum Verständnis der direkten Demokratie in die anderen Landessprachen zu übersetzen. 
In 16 Unterrichtseinheiten bringt Eros Ratti den Schülern und den anderen Lesern das Funktionieren der Tessiner Gemeinden näher, in abwechslungsreicher und ansprechender Weise, mit vielen anschaulichen Beispielen und wunderschönen Illustrationen. Nachdem Zeit-Fragen bereits die vierte Lektion zur Gemeinde­versammlung als eines der Kernelemente der direkten Demokratie in Auszügen vorgestellt hat (vergleiche Nr. 17 vom 23.4.2012), soll in den nächsten Ausgaben das von einer Übersetzergruppe der Genossenschaft Zeit-Fragen ins Deutsche übertragene Buch kapitelweise abgedruckt werden. 
Wir stellen an den Beginn die Einführungslektion mit dem Titel «Ich will ein Bürger werden: aber wie?» Der geneigte Leser erfährt da, was elektrisches Licht und Wasser mit Bürgersein zu tun haben und wie zentral die gleichwertige Behandlung der Bürger bezüglich der Nutzung der öffentlichen Dienste ist. Aber auch, wie Pflichtsinn und die Fähigkeit, eigenständig Beschlüsse zu fassen, die auch andere Menschen betreffen, zum Bürgersein in einer Demokratie gehören.


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